Andacht am Karmontag 6. April 2020 von Heinz Behrends

Tue, 07 Apr 2020 10:28:25 +0000 von Christian Bode

Beten 

Da kniet er, aufrecht blickt er zum Himmel. Er betet, einsam in Gethsemane.  So zu sehen auf unserem Tafelbild – Altar in der Klosterkirche, Carl Clobes hat ihn 1900 gemalt. Jesus betet in seiner Bedrängnis. Und wir gehen mit ihm in die Knie diese Woche. Prognosen sind am nächsten Tag überholt. Wir zittern mit den Bewohnerinnen und Bewohnern in den Altenheimen, sind dankbar für Dinge, die sonst selbstverständlich waren. Würden jetzt so gerne zusammenkommen und miteinander unsere Gedanken und Erfahrungen austauschen. Geht aber nicht. Ist auch nicht gut. Und nun auch noch die Karwoche ohne Andachten, ohne Gottesdienste. Das Leiden Jesu Christi allein bedenken, zu Hause.

Seine beiden Arme sind ausgestreckt auf dem Tafelbildaltar, seine Hände sind geöffnet. „Selig sind die geistliche Armen“, sagt Jesus. Ja, selig sind, die sich ihrer Bedürftigkeit bewusst sind. Die üblichen  Macher und Besserwisser sind in Quarantäne geschickt. Gefragt sind die Vernünftigen, die Besonnenen, die Sachkundigen. Ich bin angewiesen auf andere. Das Brot backen andere für mich. Die Milch habe ich nicht selbst gemolken, den Kaffee nicht angepflanzt. Ichprofitiere vom Wissen anderer.  Ja, auch die Liebe wird mir geschenkt.  Ärzte und Pflegende in die Krankenhäusern und Altenheimen unserer Stadt bereiten sich intensiv darauf vor, dass sie helfen können, wenn es jemanden von uns trifft. Ja, und die vielen anderen, die in diesen Tagen für uns da sind, wo das Leben so anders geworden ist.  Durch unser Gebet, unsere Fürbitte für sie, nehmen wir teil an ihrer Kraft und ihrer Liebe. “Ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhöre“, sagt Jesus. Beten für andere bringt uns in eine heilsame  Beziehung.

In Gethsemane betet Jesus für sich selbst. „Lass diesen Kelch an mir vorüberziehen, aber nicht mein, sondern dein Wille geschehe“. Die Jünger sind da, aber er ist allein, sie schlafen. Die Bedrohung hat sie erschöpft. „Sie schliefen vor Traurigkeit“. Aber er ist hellwach im Beten. Ich bin bedürftig und angewiesen auf Deinen Schutz, Gott. Und was ich selber in diesen Tagen tun kann, weiß ich: Abstand halten, Hände waschen, sorgfältig sein. 

Aber wir werden Gott im Gebet auch alle unsere Fragen stellen. Wenn du der Schöpfer allen Lebens bist, dann hast du auch den Virus geschaffen. Warum trifft es andere hart, mich nicht? Antworten haben wir nicht. Fulbert Steffensky sagt: Beten ist wie tägliches Hände waschen, wie essen und trinken. Ich tue es täglich, manchmal ist es langweilig, bete einfach so,  manchmal ringe ich um mein Leben. ich übe mich ein. Ich übe mich ein in den Willen Gottes. Und das ist gut so. Beten ist schweigen und hören, denn Gott weiß, was wir brauchen. Und beten ist klagen. Aber immer weiß ich, ich habe ein Gegenüber. Er hört mich, er erhört mich.

Nach seinem innigen Gebet in Gethsemane sagt Jesus: „ Steht auf, lasst uns gehen. Und betet, dass Ihr nicht in Anfechtung fallt“.

Heinz Behrends, Superintendent i.R.
Quelle: Uhu
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